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Karin Egli-Zimmermann
Kantonsrätin
Schwimmbadstrasse 3
8353 Elgg (ZH)

Telefon: 052 364 26 37
info@karinegli-zimmermann.ch

1. August-Ansprache 2014 in Elgg

Ansprache 1. August 2014

 

Liebe Elggerinnen, liebe Elgger

Sehr verehrte Gäste

Geschätzte Damen und Herren

 

Herzlichen Dank für Ihre Einladung. Es freut mich sehr, dass mich der Präsident vom Piaggio-Car-Club, Peter Ackermann angefragt hat, ob ich die 1. August – Ansprache in unserer Gemeinde halten möchte. Das ist für mich eine besondere Ehre.

 

In der Vorbereitung zum heutigen Tag habe ich mir überlegt, was ich Ihnen zum Nationalfeiertag der Schweiz erzählen soll. Mit der Feststellung, dass es mir seit fast 30 Jahren immer noch gut in Elgg gefällt, habe ich mir gleich selbst die Frage gestellt: Was macht Elgg so einzigartig?

Natürlich könnte ich jetzt unsere Werte wie Neutralität, Sicherheit, Wohlstand und noch vieles mehr aufzählen, die unsere Schweiz so lebenswert machen.

Aber auf Elgg bezogen: Ist  es, weil wir ein Landstädtchen sind und ein eigenes Schloss haben? Ist es das gut funktionierende Dorfleben mit dem attraktiven Gewerbe? Die Vereinsvielfalt? Wieso funktioniert unsere Gemeinde überhaupt so gut?

Meine Antwort ist: Es sind Sie liebe Bürgerinnen und Bürger, die Elgg einzigartig machen. Nur Dank grossem ehrenamtlichen Engagement von unzähligen Freiwilligen kann unsere Gesellschaft und auch unsere Gemeinde in der gewünschten Form überhaupt funktionieren. Ich verweise nochmals auf die 56 Dorfvereine, die wir in Elgg haben.

Der heutige Anlass ist vom Piaggio-Car-Club Elgg organisiert worden. Er feiert exakt heute seinen neunten Geburtstag. Auch hier haben viele Personen ehrenamtlich dazu beigetragen, dass wir heute in diesem festlichen Rahmen feiern können.

Gerade erst hat die Gemeinde Elgg bzw. die Aeschligesellschaft ihr 100jähriges Jubiläum mit einem rauschenden Fest gefeiert. Ich erinnere mich daran, wie auch in letzter Minute fast panikartig noch Helferinnen und Helfer gesucht wurden. Das Fest hat stattgefunden – mit Hilfe von vielen ehrenamtlichen Helferinnen und Helfern!

Deshalb möchte ich mit Ihnen heute ein paar Gedanken zum Thema ‚Ehrenamt’ und ‚ehrenamtliche Tätigkeit’ teilen.

 

Ein Ehrenamt im ursprünglichen Sinn ist ein ehrenvolles und freiwilliges öffentliches Amt. Man leistet es für eine bestimmte Dauer regelmässig in Vereinigungen, Vereinen, Verbänden oder Institutionen. In einigen Fällen kann man für ein Ehrenamt verpflichtet werden. Ein Ehrenamt kann unter Umständen auch aberkannt werden. Für ehrenamtliche Tätigkeiten fällt in manchen Fällen eine kleine Aufwandsentschädigung an. Heute wird ‚Ehrenamt’ zunehmend gleichbedeutend mit Begriffen wie ‚Freiwilligenarbeit’ oder ‚Nachbarschaftshilfe’ verwendet.

 

In der Antike Griechenland war es üblich, dass sich die männlichen Bürger für das Gemeinwesen interessieren mussten.  Weil damals Sklaven und Frauen die produktive Arbeit erledigten, hatten die Männer genügend Zeit, sich zu engagieren und sich  an Versammlungen  zu beteiligen. Wer nicht an solchen Versammlungen teilgenommen hatte und sich nicht für die Belange der Gemeinschaft interessierte, wurde als sogenannter ‚Privatmensch’ bezeichnet oder gar als schlechter Bürger tituliert. Das ganze Beamtentum war zur damaligen Zeit ein reines Ehrenamt.

 

Im Römischen Reich war es eine gute Tugend, sich aktiv in einem Ehrenamt zu engagieren. Vielfach konnte man auch für ein Ehrenamt verpflichtet werden – hauptsächlich in Funktionen ohne politische Einflussnahme.

 

Später hat sich das Ehrenamt auch in der christlichen Tradition wieder gefunden. Das Liebesgebot in der Bibel hat das Engagement im Bereich der Armen- und Altenpflege gefördert. Es war verbunden mit Ehre, wenn man Notleidenden geholfen hat.  Viele Adlige, Bürger mit hoher Bildung und reiche Leute haben sich das zu Nutze gemacht, um in der Gesellschaft zu höherem Ansehen zu kommen.

 

In der Zeit der Reformation hat man das erste Mal in der preussischen Städteordnung von 1808 den Begriff ‚ehrenamtliche Arbeit‘ gefunden. In § 191 wurde festgelegt, dass die Bürger zur Übernahme von öffentlichen Stadtämtern verpflichtet werden können, ohne dafür Entgelt zu beanspruchen. Die Ehrenbeamten standen der sozial-karitativen Arbeit vor, aber die Frauen haben sie ausgeführt.

 

In der Folge hat sich das Ehrenamt immer mehr in die Richtung Mitbestimmung gewandelt. Man begann, sich ehrenamtlich zu engagieren, weil man Möglichkeiten zur Mitgestaltung suchte.

 

Ich übertreibe nicht, wenn ich sage, dass unser Leben und unsere Gesellschaft in der heutigen Form ohne das Engagement von freiwilligen ehrenamtlich tätigen Bürgerinnen und Bürgern nicht funktionieren würden.

 

Unser Land, unsere Gesellschaft und auch unsere Gemeinde braucht ‚ehrenamtlichen Nachwuchs’. Wie können wir junge Menschen motivieren, sich ehrenamtlich zu engagieren? Ist es in unserer Zeit, wo Egoismus und Individualismus immer mehr Einzug halten, überhaupt möglich – Nachwuchs zu finden?

Ich behaupte ja – denn es lohnt sich unbedingt, sich für eine Sache – egal ob in einer Gemeinde, einem Verein, einer Partei oder auch in der Nachbarschaftshilfe zu engagieren.

Es gibt genügend Motivationsgründe, sich für ein ehrenamtliches Engagement zu entschliessen.

 

Es ist ein Grundbedürfnis der Bürgerinnen und Bürger, sich in Themen einzubringen und ihre Ideen zu präsentieren. Anstatt nur am Stammtisch oder im Kollegenkreis Ideen und Meinungen auszutauschen, können diese auch direkt im entsprechenden Gremium eingebracht werden.

Gerade in der heutigen Zeit, da immer mehr Leute vereinsamen, wäre das Motivation genug, sich in einem Ehrenamt einzubringen. Die Erwartungen nach sozialen Kontakten und sozialer Einbindung sowie Spass zu haben und mit sympathischen Menschen in Kontakt zu kommen, können im Ehrenamt erfüllt werden.

Bei der Ausübung eines Ehrenamtes, vielleicht in einem vormals fremden Themenbereich, kann man sich neue Kenntnisse aneignen und neue Erfahrungen sammeln. Plötzlich stellt man fest, dass man auch noch andere Stärken hat, die vorher in einem geschlummert haben.

Im Ehrenamt kann man sein berufliches Fachwissen einbringen und damit einer Gemeinschaft eine unbezahlbare Hilfe sein. Durch das Mitwirken von berufstätigen Bürgerinnen und Bürgern mit speziellem Fachwissen kann auch Know-how Transfer in der Gemeinschaft sichergestellt werden.

Durch ehrenamtliche Tätigkeiten erarbeiten sich vielfach Frauen nach ihrer Zeit als Mutter und Familienfrau wieder Grundlagen, um ins Berufsleben einzusteigen. Aufgaben im Ehrenamt ermöglichen ihnen den Besuch von Aus- und Weiterbildungen, die sie sich womöglich ohne den leichten ‚Ehrenamt-Druck’  nicht auferlegt hätten.

Ich bin davon überzeugt, dass das grundsätzlich genügend Motivationsgründe wären, sich auch in der heutigen Gesellschaft ehrenamtlich zu engagieren. Trotzdem muss man sich fragen, warum die Bereitschaft zur ehrenamtlichen Tätigkeit  immer mehr sinkt resp. in der Gesellschaft abhanden kommt.

 

Eine Studie in Deutschland hat gezeigt, dass nicht etwa diejenigen Leute sich in Ehrenämtern betätigen, die im Berufsleben nicht dem ‚grossen Druck’ ausgesetzt sind. Nein, Tatsache ist, dass sich gerade die Leute auch vermehrt im Ehrenamt engagieren, die bereits in Beruf und Familie die verlangte Verantwortung tragen.

Somit dürfte das Argument, man habe immer weniger Zeit und immer mehr Druck in der Arbeitswelt und in der Familie zu bewältigen, eigentlich nicht gelten. Vielmehr ist zu erkennen, dass viele junge Leute nicht mehr bereit sind Verantwortung zu tragen oder sich einer Auseinandersetzung zu stellen.

 

Ich bin überzeugt, dass sind Charaktereigenschaften, die sich ein junger Mensch vor allem in der Familie aneignen kann. Weiter bin ich sicher, dass junge Menschen durchaus in der Lage sind, Verantwortung zu tragen und auch die Voraussetzungen haben, komplexe Themen und Diskussionen anzugehen. Wir müssen versuchen den jungen Menschen, wieder verantwortliches Denken und Handeln sowie den Sinn für die Gemeinschaft mitzugeben.

 

Wir müssen mit unseren immer egoistischeren Denkweisen brechen und der ehrenamtlichen Tätigkeit unsere Anerkennung bieten. Eine Anerkennung, die jedes Ehrenamt verdient. Es darf nicht sein, dass ehrenamtlich tätige Personen in ihrem Amt persönlich angegriffen und desavouiert werden. Selbstverständlich muss man auch in einem Ehrenamt bereit sein, Kritik auszuhalten – das muss aber klar als sachliche Kritik erkannt werden.

 

Aber auch die Institutionen – Gemeinden, Verbände, Vereine, Parteien etc. – die nur dank der Ehrenamtlichkeit funktionieren, müssen sich Gedanken über ihre Strukturen und ihre Arbeitsabläufe machen.

Wer gute, fähige und fachlich ausgewiesene ehrenamtliche Amtsträger gewinnen will, muss auch Strukturen und Hilfsmittel anbieten können. Ich formuliere dies absichtlich etwas provokativ – Dilettantismus ist der Tod der Ehrenamtlichkeit. Wer sich gewohnt ist, im Berufsleben professionell zu arbeiten, ist kaum bereit, freiwillig, milizmässig, ehrenamtlich als Dilettant aufzutreten. Nicht einmal für die beste Sache. Wir müssen dafür sorgen, dass man in professionellen Strukturen und mit modernen Hilfsmitteln – und wo erforderlich – mit einer professionellen Ausbildung, sein Ehrenamt ausüben kann.

 

Der eigentliche Milizgedanke und die ehrenamtliche Tätigkeit sind zwei Eckpfeiler, die unser Land und unsere Gemeinde stark machen und unsere Schweizer- und Gemeinde-Kultur prägen.

Darum – wer sich in einem Ehrenamt engagiert, erwirbt nicht nur fachliche Qualifikationen, organisatorisches Geschick, Team- und Dialogfähigkeit, Einsatzbereitschaft, Sozialkompetenz und Verantwortungsbewusstsein sondern hilft aktiv mit, unserLand und unsere Gesellschaft zu stärken sowie dazu beizutragen, unsere schöne Schweizer Kultur mitzuprägen. 

 

Wie eingangs erwähnt, ein besseres Beispiel von Freiwilligenarbeit für das heutige Fest gibt es nicht. Dank dem ehrenamtlichen Einsatz der Mitglieder vom Piaggio-Car-Club Elgg können wir heute zusammen sein und den 1. August feiern.

 

Darum Happy Birthday liebe Schweiz - Happy Birthday Piaggio-Car-Club Elgg.

Schön, dass Sie heute alle da sind.

 

 

Karin Egli-Zimmermann